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Der Blaue Reiter
im Lehnbachhaus
Faszinierend
wie die Künstlergruppe um Wassily Kandinsky
und Franz Marc an sich schon ist, ist auch die
Anzahl der Möglichkeiten, mittels derer sich
diesen Avantgarde-Künstlern genähert
werden kann. Sei es als Kommentar zu einer
Neuauflage des Ursprungsalmanachs Der Blaue Reiter,
sei es als Wiedergabe der Beziehung von Gabriele
Münter und Wassily Kandinsky, sei es als
Veröffentlichung des Schriftwechsels zwischen
Wassily Kandinsky und Franz Marc oder, wie im
vorliegenden Fall, als Auseinandersetzung mit dem
Blauen Reiter im Lenbachhaus München.
Weiterhin faszinierend ist dieser prachtvoll
gestaltete Bildband wegen der Fülle an
Arbeiten, die in beeindruckenden
großformatigen Farbtafeln den
Schaffensreichtum dieser doch recht kurzlebigen
Künstlergemeinschaft dokumentieren.
Helmut Friedel, Direktor der Städtischen
Galerie im Lenbachhaus, und Annegret Hoberg,
Kuratorin für die Abteilung Der Blaue Reiter
in der Städtischen Galerie Lenbachbachhaus,
beleuchten im ersten Fünftel des Bandes die
künstlerische Entwicklung der Protagonisten
ebenso wie deren menschliche Verflechtungen bis zum
Eklat am 2. Dezember 1911, als Wassily Kandinsky,
Gabriele Münter und Franz Marc aus der Neuen
Künstlervereinigung München austraten und
mit der Organisation einer eigenen Ausstellung
begannen. Dem Almanach Der Blaue Reiter wird
breiter Raum eingeräumt ebenso wie den beiden
Ausstellungen zum Jahresende 1911 und Jahresbeginn
1912, denen die Kenner Bahnbrechende Wirkung in der
Modernen Kunst und für die Moderne Kunst
attestieren. Das Auseinanderleben der
Avantgardisten, der Kriegsausbruch 1914 und seine
Folgen für die Künstler beenden die
Ausführungen, die mit einem Dankeswort an
Gabriele Münter, die dem Lenbachhaus die
großzügige Schenkung ihrer Sammlung
machte und damit dem Museum zur Weltgeltung
verhalf, schließen.
Danach kann man sich dem Erleben der Gemälde
hingeben. Die exzellenten Bildtafeln mit
ausführlichen Kommentaren von Annegret Hoberg
sind gruppiert nach den Künstlern Wassily
Kandinsky, Franz Marc, Gabriele Münter, Alexej
Jawlensky, Marianne von Werfekin, August Macke,
August Macke, Robert Delaunay, Heinrich Campendonk,
Alfred Kubin und Paul Klee, denen eine
Kurzbiografie jedes einzelnen vorausgeht.
Lyrisches von Wassily Kandinsky, das Blaue Pferd
von Franz Marc, Gabriele Münters Russen-Haus
in Murnau, Alexej Jawlenskys Bildnis des
Tänzers Alexander Sacharoff, August Mackes
Tegernseer Bauernjunge und viele weitere Arbeiten,
die nicht nur das Auge ansprechen, sondern auch
über den jeweiligen Entwicklungsstand ihres
Schöpfers "berichten", finden ihren Abschluss
in einer Auswahl von Arbeiten Paul Klees.
Abschließend fasziniert dann noch der Preis,
der diese wunderbare Dokumentation einer wichtigen
Umbruchphase in der deutschen Kunst für
Kunstliebhaber und Freunde
außergewöhnlicher Bilder erschwinglich
werden lässt.
Das Buch ist im Prestel Verlag erschienen.
Rezension: Rika Wettstein,
Baden-Baden (www.bad-bad.de)
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